Open Source im Klinikbetrieb: Universitätsmedizin Essen setzt auf Proxmox VE
In großen, systemrelevanten IT-Umgebungen im Gesundheitswesen haben Verlässlichkeit und Stabilität oberste Priorität. Wenn die Infrastruktur wächst, die Budgets unter Druck stehen und die Datensicherung von entscheidender Bedeutung ist, zählt eine Plattform, die im Alltag überzeugt. Genau an diesem Punkt stand die Zentrale IT der Universitätsmedizin Essen: weg von Abhängigkeiten, hin zu mehr Kontrolle und Flexibilität.
Die Universitätsmedizin Essen sieht in der Digitalisierung eine einmalige Chance, das Krankenhaus der Zukunft aktiv zu gestalten. Als führender Anbieter spitzenmedizinischer Leistungen im größten industriellen Ballungszentrum Europas verfolgt sie konsequent die Idee des vernetzten „Smart Hospitals“. Mit über 8.000 Mitarbeitenden suchte die Einrichtung eine zukunftsfähige Virtualisierungs-Plattform, die sich an die Realität moderner kritischer IT-Infrastrukturen anpasst. Im Fokus standen drei Ziele: ein möglichst flexibles System, eine kostengünstigere Alternative zur davor eingesetzten proprietären Lösung und zuverlässige, praxistaugliche Backup-Optionen. Der Weg führte schließlich zu Proxmox Virtual Environment (VE), ergänzt durch Proxmox Backup Server.
Michael Nieporte, Teamleiter Infrastruktur und Rechenzentrum, beschreibt die Ausgangslage so: „Unser Ziel war eine zukunftsorientierte Ausrichtung mit einem möglichst flexiblen System. Gleichzeitig wollten wir Kosten reduzieren und über eine wirklich gute Backup-Option verfügen.“
Für die Universitätsmedizin Essen war klar: Die Plattform sollte so gestaltet sein, dass sie schnell die Erstellung neuer virtueller Umgebungen ermöglicht, sich effizient betreiben lässt und langfristig planbar bleibt. Dabei ging es nicht nur um ein neues Tool, sondern um eine neue Qualität im IT-Alltag: Weniger Abhängigkeiten, mehr Kontrolle, mehr Transparenz. Gesucht war eine Lösung, die bei Erweiterungen nicht automatisch zu Lizenzfragen führt, sondern genügend Spielraum bietet, um die Infrastruktur nach Bedarf zu gestalten.
Warum der Wechsel: Kein Lock-in und deutliche Einsparungen
Vor dem Umstieg nutzte die Universitätsmedizin Essen nahezu ausschließlich VMware vSphere. Mit der Zeit rückten jedoch zwei Fragen immer stärker in den Vordergrund: Wie bleibt die Plattform langfristig flexibel und wie lassen sich Kosten nachhaltig steuern, ohne Abstriche bei Betriebssicherheit und Backup zu machen?
Ausschlaggebend war schließlich der Open-Source-Ansatz. Als FLOSS-Lösung ermöglicht Proxmox Virtual Environment vollen Zugriff auf das System. Das Team kann die Plattform jederzeit so anpassen und optimieren, wie es der Betrieb erfordert. Statt einer Blackbox stehen Transparenz und echter Handlungsspielraum im Vordergrund. Dazu kommt ein starkes Ökosystem: die große Proxmox-Community sowie das geballte Know-how der Debian- und Linux-Communities. Für ein Infrastruktur-Team ist das weit mehr als ein netter Bonus. Es bringt Rückhalt und Geschwindigkeit zugleich, da sowohl Lösungsansätze, Best-Practices und Praxiserfahrungen schnell greifbar sind.
Die wirtschaftlichen Vorteile sind massiv: Mit einer Kostenersparnis von mindestens 85 % gegenüber dem Voranbieter wird die neue Lösung für die Universitätsmedizin Essen zum strategischen Hebel. Was als technische Umstellung begann, entpuppt sich als hocheffiziente Budgetentscheidung.
Vom Testdeployment zur produktiven Cluster-Landschaft
Der Rollout war kein Sprung ins kalte Wasser. Im Team gab es bereits Erfahrung mit Proxmox VE, und einzelne Kolleg*innen nutzten Proxmox-Produkte bereits in anderen Zusammenhängen. Diese Vorerfahrung wurde konsequent genutzt, um die Einführung schnell und sauber umzusetzen.
Zunächst entstand ein Testdeployment. Das Ziel bestand darin, die genaue Konfiguration zu validieren, Sonderfälle zu prüfen und Routinen aufzubauen, bevor die produktive Last übernommen wurde. Nach rund drei Wochen stand der nächste Schritt fest: Drei Cluster wurden mit Proxmox VE ausgerollt und nach einer Reihe von Tests in Betrieb genommen. Das Ergebnis ist eine Plattform, die nicht nur „läuft“, sondern kontinuierlich besser wird. Alle Cluster laufen seit über zwei Jahren erfolgreich im Dauerbetrieb.
Ein System mit heterogener Hardware
Heute zeigt sich die Skalierung sehr konkret. In einem Cluster laufen rund 110 virtuelle Maschinen, im anderen Cluster etwa 280 virtuelle Maschinen. Zusätzlich betreibt das Team ungefähr 30 virtuelle Maschinen auf Standalone Hosts. Die Umgebung läuft seit fast 2 Jahren stabil im Dauerbetrieb und wurde in dieser Zeit kontinuierlich weiterentwickelt.
Eine weiterer positiver Aspekt von Proxmox VE im Klinikbetrieb: Nicht jede Erneuerung muss mit einem Komplettaustausch der Hardware beginnen. Proxmox VE spielt seine Flexibilität auch hier aus. Die Universitätsmedizin Essen betreibt die Plattform auf einer breiten Host-Basis:
9 Hosts mit älteren Intel-Prozessoren, insgesamt rund 450 Cores und 4,2 TiB Arbeitsspeicher
13 Hosts mit aktuellen AMD-Prozessoren, insgesamt rund 1650 Cores und 25 TiB Arbeitsspeicher
2 Hosts für eine kleinere Umgebung
Diese Mischung zeigt, wie wichtig Hardware-Flexibilität in der Praxis ist. Anstatt einen perfekt homogenen Idealzustand erzwingen zu wollen, nutzt das Team vorhandene Ressourcen sinnvoll weiter und ergänzt sie schrittweise durch neue Systeme. So gelingt eine wirtschaftlich sinnvolle Weiterentwicklung ohne technische Kompromisse. „Proxmox läuft bei uns auch auf vorhandener Hardware. Wir sind nicht darauf angewiesen, uns strikt an detaillierte Kompatibilitätslisten zu halten“, führt Michael Nieporte aus.
Backup aus einem Guss
Beim Thema Datensicherung rundete Proxmox Backup Server das Gesamtbild ab. Die enge Integration in Proxmox Virtual Environment ermöglicht strukturierte Backup-Prozesse und flexible Speicherziele, ohne ein Patchwork aus Einzellösungen zu benötigen.
Die VM-Sicherung basiert auf einem dualen System: Zwei Installationen teilen sich das Backup und replizieren die Daten gegenseitig für volle Redundanz. Regelmäßige Verifizierungen schließen dabei Fehler in den Datensätzen konsequent aus. Im Ernstfall zählt jedoch vor allem die Recovery-Performance – und hier überzeugt die Lösung das Team durch absolut problemlose Abläufe. Gerade im medizinischen Sektor, wo schnelle Wiederanlaufzeiten direkten Einfluss auf den Klinikbetrieb haben, ist diese Zuverlässigkeit ein entscheidender Faktor.
Betriebserfahrung und Learnings
„Was in Marketingbroschüren oft untergeht, im Alltag aber Gold wert ist, ist eine gute Dokumentation“, hebt Michael Nieporte hervor. Gleichzeitig ist das Team offen genug, um auch über die Lernkurve zu sprechen. Nicht alles wurde anfangs vollständig nach Empfehlung umgesetzt. Später wurden mehrere Punkte konsequent an die Best-Practices aus der Dokumentation angepasst. Das Ergebnis war ein noch robusterer Betrieb und eine Konfiguration, die besser zum Alltag im Rechenzentrum passt.
Die Dokumentation ist hervorragend. Wer sich an der Proxmox-Dokumentation orientiert und die dortigen Beispiele und Empfehlungen nutzt, erhält sehr schnell ein sehr solides System.Michael Nieporte, Head of IT Infrastructure
Zukunftssicher aufgestellt
Mit Proxmox Virtual Environment etablierte die Universitätsmedizin Essen eine Virtualisierungsbasis, die Flexibilität, Kostenbewusstsein und einen reibungslosen Betrieb vereint. Dies zeigen das zügige Vorgehen mit Testdeployment, der schnelle Cluster-Rollout und der stabile Betrieb sehr eindrucksvoll.
Die Entscheidung hat sich sowohl technisch als auch organisatorisch sehr bewährt. In Kombination mit Proxmox Backup Server entstand ein Setup, das neue Umgebungen schnell ermöglicht und zugleich Wiederherstellung und Betriebssicherheit fest im Alltag verankert. Und mit Einsparungen von mindestens 85% gegenüber dem bisherigen Vertrag wird klar: Open Source kann im Klinikbetrieb nicht nur mithalten, sondern ganz konkret entlasten.
Michael Nieporte
Head of IT Infrastructure
Über Universitätsmedizin Essen
Als Krankenhaus der Maximalversorgung ist die Universitätsmedizin Essen heute das größte an einem Standort zentrierte Universitätsklinikum des Ruhrgebiets und damit das „Klinikum der Metropole Ruhr“. Mit 1.300 Betten und über 8000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden im Jahr rund 55.000 Patientinnen und Patienten stationär und etwa 300.000 ambulant behandelt.
Aus einer traditionsreichen Klinik gewachsen, richtet sich Universitätsmedizin Essen heute konsequent auf das „Smart Hospital“ aus: Seit 2015 wird eine Digitalisierungsstrategie verfolgt, die das Krankenhaus als vernetztes, informationsoffenes Rückgrat versteht und den Menschen in den Mittelpunkt stellt, sowohl Patientinnen und Patienten als auch Mitarbeitende.